Kehlkopfreduktion – OP-Bericht

Heute geht es um meine erste, „kleine“ geschlechtsangleichende Operation. Im Vergleich zur „großen“ Operation geht die Kehlkopfreduktion immer ein bisschen unter, aber für Transfrauen, die nicht vor der Pubertät mit der Transition beginnen konnten und mit einem großen Adamsapfel (so wie ich) gestraft sind, sehr hilfreich, wenn es um das Thema Passing geht. Denn egal wie natürlich das Aussehen auch ist, der Adamsapfel verrät einen immer.

Manche Operateure bieten solche „kosmetischen“ Eingriffe auch zusammen mit der zweiten geschlechtsangleichenden Operation („Korrektur-OP“) an. Da ich aber nicht mehr so lange warten wollte, entschied ich mich diese bereits jetzt durchzuführen. Der erste Schritt war natürlich, die passende Klinik zu finden. Nach ein bisschen Suchen entschied ich mich für die Praxis der Doktoren Schaff und Morath. Aus zwei Gründen: Es sollte in München sein und ich habe dort auch schon meine GaOP geplant – somit ist schon mal ein erster Einblick möglich gewesen, wie es in deren Praxis so zu geht.

Den Termin zum Vorgespräch bekam ich dann bei Dr. Schaff persönlich. Er erklärte mir in Kurzform wie der Eingriff abläuft: In der Hautfalte direkt über dem Adamsapfel wird ein Schnitt gemacht. Der Adamsapfel selbst besteht aus Knorpel und verknöchert mit zunehmendem Alter – in den Zwanzigern ist die Chance aber noch groß, dass noch keine Knochenbildung vorliegt. Mit einem Skalpell wird dann der überschüssige Knorpel weggeschnitten und die Wunde anschließend wieder zugenäht.

Wie mir Dr. Schaff erklärte, unterscheidet sich seine Methode von der konventionellen da zum einen nicht die Haut mit einem Schnitt bis zum Knorpel geöffnet wird, sondern da die Haut aus mehreren einzelnen, übereinanderliegenden Schichten besteht, diese einzeln und zur jeweils vorherigen Schicht versetzt aufgeschnitten. Dadurch ist die Narbe am Ende viel kleiner und wird deutlich weniger sichtbar sein und stören. Der zweite Unterschied: Es werden drei verschiedene Medikamente gespritzt. Zwei davon sind Anästhetika, das dritte aber ist Adrenalin. Das Adrenalin sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße verengen. Bei der Operation fließt deshalb kaum Blut, die Heilung verläuft viel schneller und es muss keine Drainage (kleiner Schlauch, der sich ansammelnde Flüssigkeiten aus der Wunde leitet) gesetzt werden.

Die OP selbst läuft unter Vollnarkose für etwa ein bis zwei Stunden ab, danach kann man wieder nach Hause. Weil eines der Betäubungsmittel beim Absetzten stark euphorisierend wirkt (Michael Jackson soll das gleiche Mittel genommen haben um in Stimmung zu kommen), darf man auf keinen Fall alleine nach Hause gehen sondern braucht für 24 Stunden Betreuung.

Kurz entschlossen habe ich mir also gleich einen Termin geben lassen. Am 15. September war es dann soweit – und ich war viel entspannter als gedacht. Ein letzter Blick auf meinen Adamsapfel im Spiegel, und schon ging es in Richtung Innenstadt. In der Praxis musste ich nicht lange warten. Vor der Op stand noch ein letztes Vorgespräch mit dem Chirurgen und Anästhesisten an, in denen ich noch einmal über alle Details aufgeklärt wurde und dann ging es schon los – zuerst umziehen, OP-Kleidung anziehen und ab in den OP. Erst, als ich im OP-Saal war, wurde mir bewusst, worauf ich mich eingelassen hatte… Aber die Krankenschwester und der Anästhesist haben sich sehr nett um mich gekümmert, so dass meine Angst schnell wieder verflogen ist.

Mit einem schmerzhaften Piekser wurde in meine rechte Hand eine dünne Kanüle eingeführt, über die das Narkosemittel eingeleitet wurde. Zuerst spürte ich nichts, dann ein unangenehmes Brennen. Ich konnte nur an die Decke starren und allmählich, es ist schwer zu beschreiben, war es als ob ich irgendwie abdriften würde. In der Narkose hat man keine Träume, es ist als ob man völlig weg wäre. Das einzige, was ich davon gespürt hatte, als ich im Aufwachraum wieder zu mir kam, war die Zeit, die ich weg gewesen sein musste. Ich konnte genau fühlen, dass eine oder zwei Stunden vergangen waren. Mein Bewusstsein kam ziemlich schnell zurück – dafür wollte der Körper nicht so richtig. Überhaupt die Augen aufzumachen war unheimlich schwer in den ersten Minuten. Eigentlich wäre es das Beste gewesen einfach ruhig dazuliegen und abzuwarten, wenn nicht eine unerwartete Nebenwirkung von der Narkose aufgetreten wäre: Mir war unheimlich kalt. Selbst die dicke Decke half nicht. Wenigstens war mir nicht übel, was ja auch häufig eine Nebenwirkung ist.

Ich weiß nicht, wie lange genau ich noch so da lag, aber nach einer gefühlten halben Stunde ging es mir schon so weit gut, dass ich mich umziehen konnte. Trotzdem ging alles unheimlich langsam, bloß keine zu hastigen Bewegungen! Die restliche Zeit verbrachte ich dann wieder im Wartezimmer, wo ich auch endlich etwas essen konnte. Meine erste Mahlzeit am diesem Tag (sechs Stunden vor der Op darf man nichts essen, zwei Stunden davor nicht einmal trinken).

Schmerzen hatte ich für den Rest des Tages keine, ich sollte nur noch ein paar Tabletten nehmen und ständig einen Kühlbeutel auf den Hals legen. Die erste Nacht nach der OP war dagegen alles andere als erholsam. Es gab kaum eine Lage, die nicht wehgetan hätte und die Schmerzen hielten mich sehr lange wach. Der größte Schrecken kam dann am nächsten Morgen – meine weibliche Stimme war weg. Ich konnte nur in meiner Grundstimme sprechen, und auch das klang sehr heiser. Aber das ist leider eine Nebenwirkung von der Intubation während der Narkose und kommt sehr häufig vor. In den letzten Tagen ist es schon wesentlich besser geworden, aber es dauert wahrscheinlich noch eine Woche bis ich nicht mehr so extrem heiser bin.

Die Schmerzen sind schon nach zwei Tagen verschwunden und die OP-Wunde sieht sehr gut aus, trocken und ohne Rötung. Wie es bisher aussieht, hat Dr. Schaff sehr gute Arbeit geleistet. Jetzt, sechs Tage danach stört bis auf die Stimme das Pflaster am meisten. Schlucken ist noch etwas mühsam und besonders beim Gähnen ist es unangenehm. In den ersten vier Tagen hatte ich dazu noch einen verspannten Hals und Nacken, einfach weil ich nicht entspannt schlafen konnte. Aber unterm Strich habe ich mir die ganze OP dramatischer vorgestellt, als sie wirklich ist.

Nachtrag: Heute, genau zwei Wochen nach der OP, sind endlich die Fäden gezogen worden. Meine weibliche Stimme ist schon vor ein paar Tagen zurückgekommen und insgesamt habe ich den Eingriff gut überstanden. Ich habe gar nicht gespürt, wie die Fäden gezogen wurden und vom Schnitt ist wirklich kaum noch etwas zu sehen. Allerdings bin ich etwas enttäuscht vom Ergebnis, ich hatte mir die Veränderung irgendwie größer vorgestellt. Der auffällige Knubbel ist jetzt weg, aber der Kehlkopf an sich ist (natürlich) nicht kleiner geworden. Es ist klar, dass ein Chirurg keine Wunder vollbringen kann (und ich bereue es auch nicht, die Op habe machen zu lassen), aber jede, die sich überlegt auch den Adamsapfel entfernen zu lassen, sollte nicht zu viel von diesem Eingriff erwarten.

Hier noch ein kleines Vorher-Bild. Das Nachher-Bild wird hochgeladen, wenn die Schwellungen einigermaßen weg sind.

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2 Kommentare

  1. Hey,
    ich habe gerade deinen Beitrag zur Kehlkopf-reduktion gelesen. Hast du auch noch ein Nachher-foto für mich?

    Liebe Grüße
    Johanna

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