The Danish Girl: Filmkritik

Vermutlich kann man in jeder Suppe ein Haar finden – sogar in diesem wirklich gut gemachten Film. Besagtes Haar ist, dass mit der Besetzung von Eddie Redmayne als Lili alias Einar, ein Cis-Mann eine Transsexuelle Frau spielt. Aber ich muss wirklich sagen: Das hat mich nicht im geringsten gestört. Eddie Redmayne bringt die Emotionen mit großem schauspielerischen Talent sehr gut zum Publikum, ohne dabei übertrieben zu wirken. Mehr dazu für die ganz eiligen: Am Ende der Seite im Fazit.

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© Universal Pictures International Germany GmbH

Der Cast/Regie

Eddie Redmayne

Wie bereits gesagt spielt Eddie Redmayne sehr überzeugend die Rolle der Lili Elbe. Bekannt wurde Redmayne bereits durch Filme wie „Les Miserables“ oder „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Für seine Verkörperung des Stephen Hawking wurde er mit einem Oscar, dem Screen Actors Guild Award, dem BAFTA Award und dem Golden Globe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. In diesen beiden Filmen arbeitete er bereits mit Regisseur Tom Hooper zusammen.

Zu seiner Rolle in the Danish Girl sagt er:

Es war besonders wichtig für mich, Menschen aus der Trans-Community zu treffen und mit ihnen über ihr Leben, hier Stärken und ihre Realität zu sprechen. Lili hat sich ihrer Gender Confirmation Surgery [anm. der hierzulande geläufigere Terminus ist Geschlechtsangleichende Operatation] vor beinahe 100 Jahren unterzogen. Menschen, die das heute tun, wissen natürlich viel mehr über diesen Prozess, als Lili wissen konnte. Aber ich konnte von älteren Mitgliedern der Gemeinschaft erfahren, wie sie es vor 40 oder 50 Jahren erlebt haben. Und jede ihrer Geschichten ist individuell, ganz verschieden, es existiert nicht diese eine Erfahrung. Doch eines hatten alle gemeinsam: Alle wussten seit ihrer Jugend, dass ihr offiziell festgestelltes Geschlecht nicht mit ihrer eigentlichen Identität übereinstimmte.

Seine Rolle spielt Redmayne sehr gewissenhaft. Es war erstaunlich zu sehen, mit welcher Akkuratesse er die Gefühlsregungen in den passenden Situationen umsetzt. In vielen Szenen habe ich mein eigenes Verhalten in bestimmten Situationen wieder erkennen können.

Alicia Vikander

Alicia Vikander gilt als ein vielversprechender Newcomer der Filmszene. Bisher wirkte sie in Produktionen wie „Anna Karenina“ und „Ex Machina“ mit, was durchaus auf eine gewisse schauspielerische Bandbreite schließen lässt. In diesem Film verkörpert sie die Rolle der Gerda, Einars (später Lili’s) Ehefrau, welche den kompletten Weg begleitet – obwohl es ihr emotional sehr viel abverlangt.

Lili und Gerda sind zwei Menschen, die hinter verschlossenen Türen intensive Gefühle ausleben und experimentieren. Das hat etwas Klaustrophobisches. Eddie und ich waren also auf engem Raum in einem Filmstudio und haben uns tief in diese Beziehung hinein gearbeitet.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass am Ende irgendjemand aus dem Kino geht, der nicht von Lili’s Reise berührt ist. Es ist die Liebesgeschichte zweier Menschen. Aber darüber hinaus ist es auch die Liebesgeschichte, in der es darum geht, wie man lernt, sich selbst zu lieben.

Tom Hooper

Tom Hooper hat bereits eine beeindruckende Filmografie auf die Leinwand gezaubert. Ein kleiner Ausschnitt aus seinem filmischen Schaffen:

The King’s speech (12 Oscar Nominierungen, 7 BAFTA Awards, People’s Choice Award des Toronto International Film Festival, Best British Film Prize bei den British Independent Film Awards, Spirit Award als Best Foreign Film, Producers of the Guild of America Award, Europäischer Filmpreis für den besten Film)
Les Miserables (8 Oscar Nominierungen, 4 BAFTA Awards, 3 Golden Globe Awards, Best Acting by an Ensemble – National Board of Review, 4 Screen Actors Guild Awards Nominierungen)
uvm…

Mit diesem Film hat sich Hooper an ein sehr schwieriges Thema gewagt. Die Fettnäpfchen sind sehr vielfältig… Hooper hat es aber vortrefflich geschafft, diese gekonnt zu umschiffen. Er versteht es sowohl platte Klischees zu vermeiden als auch eine realistische Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht darzustellen.

Aus meiner Sicht haben The Danish Girl und The King’s Speech ein gemeinsames Thema: Es geht um die Hindernisse, die zwischen uns und der besten Version von uns selbst liegen und wie man sie überwindet. Mit diesem Film erzähle ich die außergewöhnliche Geschichte von Lili Elbe, einem der ersten Menschen, die sich einer Bender Confirmation Surgery unterzogen hat. Gleichzeitig ist es die große Liebesgeschichte zweier Menschen, die diesen Weg gemeinsam gehen. Es ist das bewegende Porträt einer Ehe, die sich grundlegend verändert.

Ich kann gar nicht genug betonen, wie mutig Lili war, sich damals einer solchen Operation zu unterziehen. Damals gab es weder Antibiotika noch Penicillin, das Risiko einer Infektion war extrem hoch und die Behandlungen waren noch in der Anfangsphase und sehr gefährlich. Lili war außergewöhnlich tapfer, sich diesen Risiken zu stellen.

Inhaltszusammenfassung

Kopenhagen, 1926. Einar Wegener und seine Frau Gerda arbeiten beide als Künstler. Er wird für seine Landschaftsmalerei geschätzt und verehrt. Gerda ist weniger bekannt, wird aber regelmäßig als Porträtestin prominenter Kopenhagener Persönlichkeiten beauftragt. Ihre Ehe ist liebevoll und hat ein starkes Fundament, trotz ihres unterschiedlichen Erfolgs.

Doch eines Tages nimmt ihre Geschichte eine völlig andere Wendung, als Gerda dringend ein nicht vollendetes Porträt abliefern soll. Gerda bitte unter Zeitdruck ihren Mann, für das Modell einzuspringen. Einar soll das Kleid des Models anlegen, damit Gerda das Bild fertig stellen Kann. Gerda und Einar taufen das neue Model zunächst scherzhaft „Lili“. Doch diese Erfahrung löst in Einar eine grundlegende Veränderung aus. Denn er spürt, dass „Lili“ zu sein, ein Ausdruck seines wahren Selbst ist. Damit beginnt sein Leben als Frau. Nach anfänglicher Verwirrung unterstützt Gerda Lili und völlig unerwartet findet sie dadurch auch eine neue Muse, die sie zu einer Kreativität inspiriert, die ihrer Malerei neue Kraft verleiht. Mit den Porträts von Lili gelingt auch ihr endlich der künstlerische Durchbruch – eine Galerie in Paris bietet ihr eine Ausstellung an.

So verlassen sie ihr Heimatland, Dänemark, um in der Französischen Hauptstadt zu leben. Hier erreicht Gerdas Karriere ihren Höhepunkt, dann hier sind alle von ihrer Malerei fasziniert. Auch ihre Ehe entwickelt sich trotz zeitweiliger Spannungen weiter, denn immer wieder ermutigt Gerda Lili auf ihrem schwierigen Weg als transsexuelle Frau. Gemeinsam finden beide den Mut, die Menschen zu werden und das zu sein, was sie im tiefsten Inneren ihres Herzens fühlen.

Die Vorlage zu The Danish Girl ist der gleichnamige Bestseller von David Ebershoff. Mit diesem Projekt setzten Regisseur Tom Hooper und Oscar-Gewinner Eddie Redmayne ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort, die sie vor drei Jahren mit der Musicalverfilmung Les Misérables begonnen haben. In wittern Rollen der deutschen Koproduktion sind Alicia Vakanter (Ex Machina), Amber Heard (The Rum Diary), Matthias Schoenaerts (The Drop – Bargeld), Ben Whishaw (Skyfall, Das Parfum) und Sebastian Koch (Das Leben der Anderen) zu sehen.

Meine Meinung / Fazit

Bei dem Film The Danish Girl handelt es sich um einen mit außerordentlichem Gespür für die Thematik „Transsexualität“ geschaffenen Film. Der Film war so ergreifend, dass ich an einigen Stellen meine Tränen nicht mehr zurück halten konnte. Als selbst transsexuelle Frau wurde ich von der „Realitätsnähe“ des Films durchaus überwältigt. Ich denke, mit Hilfe dieses Films können auch nicht transsexuelle Personen in gewissem Maße die Gedanken und Gefühle nachvollziehen.

Der Film ist auf jeden Fall eine klare Empfehlung. Als Einstieg in die Thematik „Transsexualität“ ist er aber nur bedingt geeignet, da es sich doch um relativ schwere Kost handelt. Hier eigenen sich eher frohsinnigere Filme wie zum Beispiel „Mein Sohn Helen“.

Der Film wird am 07. Januar 2016 in den deutschen Kinos erscheinen.

Hier könnt ihr die Kritik zum Buch lesen, auf dem der Film basiert, die Sophie verfasst hat.

EDIT: Hier findet ihr noch die Geschichte der „wahren“ Lili Elbe, auf der der Film beruht. Sie befindet sich auf der Homepage der Magnus Hirschfeld Stiftung.

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