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Gesundheits 1×1: Trans-Frauen

Heute haben wir für euch einige Dinge, die ihr als (Trans-) Frau im Hinblick auf eure Gesundheit beachten solltet. Einige Dinge unterscheiden sich kein bisschen von den medizinischen Vorsorgemaßnahmen und Vorsichtsmaßnahmen unterscheiden, manche jedoch schon.

Was sollten wir (Trans-) Frauen möglicherweise beachten?

Kommunikation mit den Ärzten

Ihr solltet unbedingt offen mit euren Ärzten (sowohl den Endokrinologen, Gynäkologen, Psychologen oder was auch immer zutrifft) sprechen und ihnen alles mitteilen, was von Belang sein könnte – sowohl in medizinischer wie auch in psychologischer Sicht. Ihr müsst euch keine Sorgen machen, kein Arzt wird euch für irgendetwas verurteilen. Und wenn er das doch tun sollte, solltet ihr euch einen anderen suchen… Ihr seid aber die einzigen, die wissen können, ob es euch zum Beispiel mit der aktuellen Medikation gut geht oder ob sich Depressionen, Antriebslosigkeit, … andeuten. Ein Arzt kann nur reagieren, wenn ihr ihm genau mitteilt, was euch selbst auffällt oder vielleicht auch was anderen an euch auffällt, was für euer normales Verhalten ungewöhnlich ist.

Safer Sex?

Für manche von euch ist wahrscheinlich Geschlechtsverkehr auf Grund der Transsexualität nicht möglich, da diese ja oft mit einer Dysphorie bzw. Abneigung des eigenen Körpers gegenüber beziehungsweise im Speziellen gegenüber des „unpassenden“ Geschlechtsteils einher. Wenn dies nicht der Fall ist, ist das auch absolut in Ordnung! Allerdings solltet ihr immer auf Verhütungsmittel (zum Beispiel Kondome oder Diaphragma) achten. Warum? Ihr seid genauso anfällig für sexuell übertragbare Krankheiten wie alle anderen Menschen auch und davor schützen euch diese Verhütungsmittel am sichersten. Natürlich könnt ihr auch darauf verzichten, wenn ihr euch mit eurem Partner oder eurer Partnerin sicher fühlt, aber ihr solltet zumindest offen mit ihnen darüber sprechen und auf jeden Fall über eventuell vorhandene, übertragbare Krankheiten informieren.

Wenn ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr euch auch – zum Teil kostenlos testen lassen. Sprecht bitte in einem solchen Fall offen mit einem Arzt darüber. Aids-Tests könnt ihr zum Beispiel anonym bei den Gesundheitsämtern oder auch bei Aids-Hilfe-Stellen durchführen lassen. Weitere Informationen bekommt ihr auch bei Gib Aids keine Chance.

Ist Verhütung beim Geschlechtsverkehr notwendig?

Definitiv JA. Die Hormonersatztherapie (HRT), falls ihr diese schon begonnen habt oder eventuell beginnen wollt, stellt keine sichere Verhütungsmethode dar. Zwar nimmt die Fruchtbarkeit ab aber bis zu welchem Grad und ab wann kann niemand vorhersagen. Aus diesem Grund solltet ihr auf jeden Fall zusätzlich mit einer anderen Methode verhüten, falls ihr aktuell keine Kinder möchtet. Einen guten Überblick über  Verkütungsmöglichkeiten und deren Sicherheit bietet diese Webseite. Die Liste wurde zwar von Jenapharm zusammen gestellt, gilt aber ebenso für alle anderen Hersteller von Verhütungsmitteln.

Was wenn ich doch (eigene) Kinder möchte?

Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit, Sperma in einer Samenbank einzufrieren um so später mit einer Partnerin ein Kind zu bekommen. Das kann unter Umständen auch noch funktionieren, wenn die HRT bereits begonnen wurde. Die größten Chancen bestehen allerdings, vor Beginn der HRT, da die Fruchtbarkeit mit zunehmender Dauer der Therapie immer weiter abnimmt.

Das macht natürlich nur wirklich Sinn, wenn ihr euch vorstellen könnt, mit einer Partnerin zusammen zu leben. Leihmutterschaften sind derzeit in Deutschland verboten. Ich für meinen Teil, habe auf diese Option bewusst verzichtet und mich mit dem Gedanken der späteren Adoption (bisher habe ich keine eigenen Kinder und da ich bereits die Geschlechtsangleichende Operation hatte habe ich die Option der Samenbank nicht mehr) sehr gut angefreundet. Aber es gibt auf jeden Fall diese Möglichkeit.

Es ist unschön, aber was ist mit Krebs?

Auch wir (Trans-) Frauen sollten uns regelmäßiger Krebsvorsorge unterziehen. Das Risiko an Krebs zu erkranken ist zwar nicht wirklich höher als bei jeder anderen Frau, aber eben auch nicht geringer. Zudem gibt es bei uns eine Besonderheit, an die ebenfalls gedacht werden muss – die Prostata.

Prostata-Krebsvorsorge

Selbst nachdem die Geschlechtsangleichende Operation durchgeführt wurde, ist die Prostata immer noch vorhanden. Das ist auch durchaus gut so, da sie eine erogene Zone ist. Allerdings besteht auch ein (wenn auch sehr geringes) Risiko (da die Hauptursache für ein Prostata-Karzinom Testosteron ist) an Prostatakrebs zu erkranken. Deshalb sollte diese bei der Krebsvorsorge mit bedacht werden.

Brustkrebs-Vorsorge

Ihr solltet auf jeden Fall regelmäßig eure Brust nach ungewöhnlichen Knötchen absuchen. Eure Frauenärzte oder auch Allgemeinärzte können euch das zeigen. Mit fortgeschrittenem Alter solltet ihr auch über Mammographie nachdenken. Das heißt, die Brust mittels Röntgenstrahlen auf Veränderungen untersuchen. Dies sollte in der Regel ab dem 50. Lebensjahr alle 2 Jahre geschehen und wird von der Krankenkasse übernommen.

Vaginale-Krebsvorsorge

Es besteht nach der Geschlechtsangleichenden Operation ebenfalls ein Risiko an vagialen Krebsarten zu erkranken. Aus diesem Grund solltet ihr die (Neo-) Vagina immer wieder mal von dem Frauenarzt eures Vertrauens untersuchen lassen.

Sonstige Vorsorge

Sprecht auf jeden Fall mit euren Ärzten über mögliche Vorsorgemaßnahmen.

Zudem solltet ihr versuchen, ein gesundes Gewicht zu halten. Je nach geplanten Operationen haben manche Ärzte eine BMI-Obergrenze und führen keine Operationen durch, wenn diese überschritten wird. Auf jeden Fall ist es aber auch unabhängig von dieser Eventualität sinnvoll auf sich zu achten und sich auch regelmäßig zu bewegen.

In dem Sinne – bleibt gesund! 🙂

Beitragsbild: Julien Christ / pixelio.de
Credits to: „Open Minded Health Promotion: Transgender Women“ bei Open Minded Health

Hi, ich bin Theresa, 22 äääh 23 Jahre (jung?) und eine der Gründerinnen dieses Blogs. Der Grundgedanke besteht darin, so viele Informationen wie möglich gebündelt und verständlich für euch anzubieten. Wenn ihr also Wünsche oder Kritik habt zögert nicht, mir eine Nachricht zu schreiben.

eMail: theresa(at)younganddifferent.de.

1 Kommentar

  1. Zum Thema Vorsorgeuntersuchungen kann ich grundsätzlich empfehlen mal nach sogenannten „Faktenboxen“ zu googlen (gibt es zum Beispiel auch zur Mammographie). Die bieten eine kurze Übersicht über die statistischen Fakten zu den medizinischen Maßnahmen und sollen als Hilfe dienen, damit Menschen eine informierte Entscheidung treffen können.

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