Kehlkopf-OP – Wie die Geschichte ausging

Im September des letzten Jahres hatte ich über meine Kehlkopf-OP geschrieben. Kosmetisch ist das Ergebnis eigentlich ganz gut geworden. Der störende „Knubbel“ ist verschwunden und die Narbe wird zusehens kleiner. Was aber nicht so gut gelaufen ist, das ist der Einfluss auf meine Stimme. 

Vor der OP hatte ich einen sehr guten Stimmumfang. Ich weiss nicht ob das von Natur aus so gut war oder Dank verschiedener Youtube-Tutorials, aber ich hatte mich mit der Logopädie sehr leicht getan und konnte schon nach 4 Monaten durchgehend mit einer (mehr oder weniger) weiblichen Stimme sprechen. In der ersten Woche nach der OP war ich extrem heiser und fand meine weibliche Stimme gar nicht mehr. Wie man mir sagte war das nur eine Folge der Intubation bei der Narkose. Nach einiger Zeit kam die weibliche Stimme auch zurück, aber ich hatte große Schwierigkeiten in die Höhen zu kommen. Zuerst dachte ich, dass sich das nach und nach erholen würde. Aber selbst nach mehreren Monaten ist der obere Teil meines Stimmumfangs wie abgeschnitten und es wollte nicht besser werden.

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Quelle: Henry Grey, Anatomy of the human body (1918)

Nachdem ich heute bei einem Phoniater (einem auf die Stimme spezialisierten HNO-Arzt) war, weiß ich mehr: Die Stimmlippen werden durch mehrere Nerven gesteuert. Einer davon ist der obere Kehlkopfnerv (Nervus laryngeus superior). Sein äußerer Ast (im Bild als „external branch of sup. laryngeal“ bezeichnet) liegt nah an der Kehlkopfarterie und sorgt über einen bestimmten Muskel dafür, dass die Stimme in die Höhe gehen kann. Und genau dieser Nerv muss bei der OP verletzt oder sogar durchtrennt worden sein. Man kann es auch anders ausdrücken: Ein Muskel meines Stimmapparates ist gelähmt und das wahrscheinlich dauerhaft.

Innerhalb eines Jahres können sich solche Nerven erholen aber die größte Chance (etwa 90%) besteht in den ersten 6 Monaten. Ich habe die Hoffnung, dass es wieder verheilt noch nicht aufgegeben und werde es neben der üblichen Logopädie zusätzlich mit einer anderen Therapie versuchen (dazu schreibe ich später noch etwas). Wenn sich aber nichts tut, gibt es zwei Möglichkeiten – damit leben oder noch eine Operation, bei der die Stimmlippen ein paar Millimeter am Rand zusammengenäht werden um den Verlust an Höhe auszugleichen. Dadurch wird die Stimme automatisch höher. Ob ich mir aber so einen Eingriff wirklich antun möchte, muss ich mir erst gründlich überlegen.

Aufgeklärt wurde ich vor der OP über dieses Risiko nicht. Ich hatte ausdrücklich gefragt, ob nicht die Stimme durch den Eingriff geschädigt werden könne aber es wurde darauf hin nur gesagt, dass ja außerhalb des Kehlkopfes operiert wird und deshalb keine Gefahr besteht. Außerdem sei dieser Eingriff schon längst Routine. Wenn ich gewusst hätte was für ein Risiko wirklich besteht, dann hätte ich diese Operation nicht gemacht. Natürlich kann ich auch einfach nur Pech gehabt haben. Aber offensichtlich ist die Gefahr real – entweder es wurde bei mir bei der Operation ein Fehler gemacht, oder das Risiko war höher. Was davon stimmt, weiss ich nicht. Wer also so einen Eingriff machen lassen möchte, sollte den Chirurgen speziell auch darauf ansprechen und sich der möglichen Gefahr bewusst sein!

Für mich ist es natürlich sehr schade. Ich hatte ursprünglich eine sehr flexible Stimme. Die Krankenschwester, die meine Stimme „ausgemessen“ hat, hatte sogar gefragt ob ich denn singe. Wenn es aber zum Schlimmsten kommt, werde ich nie wieder singen können.

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