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Wie plane ich die Mastektomie?

Nachdem ich fast alle 18 Monate Therapie abgesessen hatte (eine Voraussetzung, die leider recht viele Krankenkassen vor der Kostenübername verlangen), machte ich mich daran, meine Mastektomie zu planen. Und wie so oft gab es einige Dinge zu beachten :).

Die erste Frage, die ich mir stellte war, ob große oder kleine Schnitte gemacht werden sollen, oder überhaupt möglich sind, da viele Ärzte oftmals nur eine Mastektomie-Technik operieren.

Wie unterscheiden sich also große von kleinen Schnitten?

Bei den großen Schnitten wird ein länglicher Schnitt unter den Brustwarzen gesetzt, dort etwa, wo bei Männern der Brustmuskel endet. Bei dieser Technik sind die Narben sichtbarer, dafür kann die Brust oftmals aber besser gestrafft und die Brustwarzen neu platziert werden. Wenn man eine größere Ausgangslage (etwa Körbchengröße C aufwärts) besitzt, wird diese Technik den kleinen Schnitten häufig vorgezogen.

Kleine Schnitte setzen oft auch eine kleine Ausgangslage voraus (etwa Größe A bis B). Hier wird um den Warzenvorhof herum geschnitten und anschließend das Fett und ein Großteil des Drüsengewebes entfernt.

Ob große oder kleine Schnitte sinnvoller sind, kann man aber schlussendlich erst beim Vorgespräch mit dem Arzt/Ärztin erfahren. Vorher hilft es, sich im Internet noch einmal über die genauen Unterschiede zu informieren. Eine gute Informationsquelle war für mich die Website des TransMann e.V.

Welcher Arzt ist der richtige?

Da ich so wenig sichtbare Narben wie möglich haben wollte, war für mich klar, dass ich die kleinen Schnitte bevorzuge. Jetzt musste ich allerdings herausfinden, wer in Deutschland überhaupt diese Technik operiert. Hast du dich also auf eine Schnittführung festgelegt, schaust du dir im Internet am besten verschiedene Operationsergebnisse an. In Gruppen auf Facebook oder dem ftm-portal gibt es Bildergalerien mit unzähligen Ergebnissen von verschiedenen Operateuren. Natürlich kannst du auch deine Freunde fragen.

Wichtig ist, dir klar zu machen, was du wirklich willst. Nur, weil alle zum Beispiel gerade in X-City die großen Schnitte machen, heißt das nicht, dass du da auch hin musst. Manchmal können unbekanntere Namen sogar besser sein.

Bei den Bildergalerien achtest du am besten darauf, ob die Ergebnisse ungefähr gleich gut aussehen und ob sie sich im Laufe der Zeit verbessern. Das hilft dir, das Endergebnis besser einschätzen zu können. Außerdem hilft es, herauszufinden, welcher Operateur*in dich operiert, da in einigen Krankenhäusern das Vorgespräch von einem anderen Arzt geführt wird. Frage auch nach, ob es nur einen Operateur*in gibt. Manchmal werden die Brüste nämlich unter zwei Ärzten aufgeteilt, was im schlimmsten Fall schon zu zwei unterschiedlich aussehenden Seiten geführt hat.

Wenn du dann einen Arzt für dich entdeckt hast, geht es daran, einen Termin für ein Vorgespräch zu vereinbaren. Die Krankenkasse verlangt für die Kostenübernahme nämlich einen Kostenvoranschlag des Arztes, den du beim Vorgespräch bekommst. Dafür lohnt es sich auf alle Fälle auch ein wenig weiter zu reisen, schließlich begleitet dich das Ergebnis ein Leben lang!

Wie lief das Vorgespräch ab?

Die Ärztin warf einen kurzen Blick auf die Brust und tastete sie ab, woraufhin sie mir bestätigte, dass kleine Schnitte möglich sein. Das hat mich natürlich sehr gefreut :). Dann setzte sie sich mit mir zusammen, damit ich ihr Fragen stellen konnte. Ich fragte sie zum Beispiel nach der Aufenthaltsdauer nach der Mastektomie, oder ob während der OP plötzlich doch große Schnitte gemacht werden könnten, was sie allerdings verneinte.

Im Anschluss daran klärte sie mich über mögliche Risiken auf, wie der mögliche Bedarf einer Korrektur-OP, Einblutungen, die es bei den kleinen Schnitten etwas häufiger gäbe, uvm. Insgesamt war die Atmosphäre sehr freundlich und die Ärztin verfasste sofort den Brief für die Krankenkasse, damit ich ihn gleich mitnehmen konnte.

Die liebe Krankenkasse…

Die Krankenkasse begegnet dir im nächsten Schritt. Leider fordert jede Krankenkasse unterschiedliche Dokumente, weshalb es sich lohnt, einfach mal anzurufen oder eine Mail zu schreiben. In der Regel wird allerdings benötigt:

  • zwei Gutachten (am besten von der Vornamens- u. Personenstandsänderung)
  •  Gerichtsbeschluss der VÄ/PÄ
  • Antrag
  • Kostenvoranschlag des Arztes
  • ggf. weitere ärztliche Befunde ( Hormonstatus, Chromosomenanalyse, Stellungnahme des Endokrinologen

Hast du alle Unterlagen an die Krankenkasse geschickt, heißt es warten. Hat alles geklappt? Herzlichen Glückwunsch! Den Bescheid schickst du nun an deinen Arzt und vereinbarst mit ihm/ihr einen Termin für die OP.

 

Beitragsbild von pixabay, unter CC.0 lizenziert.

Hei, ich bin Tim, 20 Jahre alt, und seit kurzem Gastautor auf diesem Blog. Wenn ich nicht gerade unterwegs oder mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa bin, schreibe ich. Die Ergebnisse könnt ihr hier sehen.

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